AHS Ettenreichgasse · Foto: Kurt Kuball · SOLID architecture

Mehr Raum, mehr Sicherheit: Die AHS Ettenreichgasse denkt weiter

Die AHS Ettenreichgasse, das älteste Gymnasium in Wien-Favoriten, wurde Ende 2025 nach einer Bestandssanierung und Erweiterung wiedereröffnet. Die Schule aus den 1960er-Jahren bietet ihren rund 1.000 Schüler:innen nun ein flexibles Raum- und Funktionsprogramm mit einem neuen Mehrzwecksaal und offenen Lernzonen. Neben der technischen und thermischen Modernisierung wurde auch der Brandschutz auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Ein optimiertes Fluchtwegkonzept, neue Anlagentechnik und ein erleichterter Löschwasserzugriff für die Feuerwehr verbesserten das Schutzniveau auf vielen Ebenen.

„Weiter nutzen statt neu bauen“ – nach diesem Motto wurde die AHS Ettenreichgasse für einen zeitgemäßen Schulbetrieb und eine nachhaltige Gebäudenutzung adaptiert. 7.500 m² wurden dafür im Bestandsteil saniert, während durch die Erweiterung des Quertrakts an der Ettenreichgasse 5.500 m² zusätzlicher Raum entstanden. Die Pläne für Renovierung und Zubau kamen von SOLID architecture, wir übernahmen die Brandschutzplanung. „Bei Sanierungen im Bildungsbereich stellen sich in puncto Brandschutz meist drei zentrale Fragen: In welchem Zustand ist die Bausubstanz, insbesondere die Tragkonstruktion? Welche Änderungen sind bei den Fluchtwegen nötig? Und wie können wir alte Gebäudekonzepte mit heutigen Richtlinien und pädagogischen Maßstäben in Einklang bringen?“, so Geschäftsführer Werner Hoyer-Weber.

Brandschutz mit Bedacht
Das vorrangige Ziel des Brandschutzkonzeptes war klar: Den Bestand und Zubau ganzheitlich zu denken und das Schutzniveau des Gebäudes insgesamt zu erhöhen. Da die Nutzung als Bildungseinrichtung gleich blieb, konnte baurechtlich der Bestandsschutz geltend gemacht werden. Die vorhandenen baulichen Elemente blieben bestandsmäßig erhalten, teilweise erfolgten Abbrüche und bauliche Verbesserungen. Letzteres betraf auch die Bestandsdecken – vorwiegend Stahlbeton-Rippendecken und Ast-Molin-Decken. Diese wurden nach eingehender Beurteilung mit Trockenbau und Gipsputz brandschutztechnisch ertüchtigt.

Neues Fluchtwegkonzept
Das Update im Brandschutz betraf auch die Flucht- und Rettungswege: Sie wurden in der gesamten Schule neu konzipiert und im Zuge der Erweiterung an die aktuellen Personenzahlen angepasst. Alle für die Schüler:innen zugänglichen Bereiche verfügen nun über einen zweiten Fluchtweg, sofern nicht ohnehin nach maximal vierzig Metern ein sicherer Ort im Freien erreicht wird. Alternative Wegführungen ermöglichen ein kleinräumiges Ausweichen innerhalb des Gebäudes. Das neu errichtete Treppenhaus führt bis ins erste Untergeschoß, was die Fluchtwegsituation auch in dieser – vor allem technisch genutzten – Ebene optimiert. Die Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Personen sind nun ebenfalls berücksichtigt: Rollstuhlfahrer:innen können barrierefrei flüchten und finden darüber hinaus in zwei Treppenhäusern sichere Warteplätze vor.

Offene Lernumgebungen
Im Sinne des integrativen Lernens erhielt die AHS Ettenreichgasse offene Lernzonen im Bestand und Zubau. Die Schüler:innen können sich darin individuell zurückziehen, in der Gruppe arbeiten oder klassenübergreifend austauschen. Da sich einige Lernzonen im Verlauf von Gängen und Fluchtwegen befinden, stimmten wir mit SOLID architecture eine Sonderlösung ab. Ziel war es, die Flexibilität in den Lernzonen zu erhalten und gleichzeitig zu gewährleisten, dass die Flucht nicht durch Sessel, Schultaschen oder andere Gegenstände erschwert wird. Eine Lösung wurde in Form von fix montierten Sitzelementen gefunden. Sie bilden eine unverrückbare Trennung zwischen den Lernzonen und Gängen, was durch unterschiedliche Bodenbeläge auch optisch unterstrichen wird. Ergänzend dazu werden die Gänge organisatorisch durch Vorgaben in der Hausordnung und Gangaufsichten freigehalten.

Schnellere Löscharbeiten
Eine weitere Besonderheit im Brandschutz betraf den Löschangriff. Für den Zubau, der nach Stand der Technik errichtet wurde, waren nach den aktuellen Richtlinien Wandhydranten zu installieren. In den Trakten aus den 1960er-Jahren waren hingegen zum Zeitpunkt der Errichtung weder trockene noch nasse Löschwasserleitungen vorgeschrieben. Trotz der unterschiedlichen Vorgaben wurde ein einheitliches Konzept für die Löschmittelversorgung angestrebt. Dafür erhielt der Zubau statt der Wandhydranten eine trockene Löschwasserleitung, die auch auf den Bestand ausgeweitet wurde. Durch die gezielte Anordnung der Entnahmestellen ist die gesamte Schule abgedeckt. Löscharbeiten werden damit wesentlich erleichtert: „Das Gebäude ragt von der Ettenreichgasse knapp 160 Meter ins Grundstück hinein. Durch die Trockensteigleitung kann die Feuerwehr in jedem Geschoß bequem Löschwasser entnehmen und erspart sich das Verlegen und Kuppeln längerer Schlauchstrecken“, erklärt Werner Hoyer-Weber. „Das bringt im Brandfall erhebliche Zeitersparnisse vor allem für die weiter hinten liegenden Gebäudeteile.“

Technik für den Ernstfall
Auch anlagentechnisch hat der Schulstandort von den Neuerungen im Brandschutz profitiert. Im Bestand wurden zusätzliche Bereiche, wie etwa der Turnsaaltrakt, in die Überwachung der Brandmeldeanlage einbezogen. Neu sind zudem Druckknopfmelder im Bereich der Ausgänge und Fluchtwege sowie eine Brandfallsteuerung: Über sie werden alle technischen Anlagen koordiniert und automatisch so angesteuert, dass die Rauch- und Brandausbreitung begrenzt, Fluchtwege gesichert und Einsatzkräfte optimal unterstützt werden. Da im Brandschutzkonzept zugunsten der trockenen Löschwasserleitung auf Wandhydranten verzichtet wurde, sieht die Planung tragbare Feuerlöscher nicht nur für die erste, sondern auch für die erweiterte Löschhilfe vor.