Brandschutzkonzept Für Das Justizzentrum Josefstadt
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Sicher hoch 2: Brandschutzkonzept für das Justizzentrum Josefstadt

Wie viele Gebäude Wiens blicken auch das Landesgericht für Strafsachen Wien, das größte Straflandesgericht Österreichs, und die dazugehörige Justizanstalt Josefstadt auf eine lange Geschichte zurück. Der zwischen 1839–1878 errichtete Komplex im 8. Bezirk wurde bereits mehrfach adaptiert und erweitert. Um die Bausubstanz und Abläufe im Gebäude nachhaltig zu verbessern, durchläuft das „Graue Haus“ in den kommenden Jahren eine General- bzw. Funktionssanierung. Der Fokus liegt auf den haus‐ und elektrotechnischen Anlagen, aber auch Neustrukturierungen und Modernisierungen sind geplant: in der Justizanstalt etwa die Erneuerung der Ambulanz oder die Teilung der Großhafträume in kleinere Einheiten. 2027 soll die Sanierung des Landesgerichts abgeschlossen sein, die der Justizanstalt bis 2032.

Den Brandschutz neu denken
Im Zuge der Sanierung werden auch die brandschutztechnischen Einrichtungen im Gebäude verbessert. Wir waren im Auftrag der ARGE YF architekten & atelier.23 architekten bereits in der Wettbewerbsphase beteiligt und haben für das Großprojekt die Brandschutzplanung bis zur Genehmigung inne. Dabei gilt es in puncto Sicherheit, Nutzung und Wirtschaftlichkeit abzuwägen, welche Bereiche des Bestandsgebäudes unverändert bleiben, wo Änderungen erforderlich sind und welche (neuen) Maßnahmen im Brandschutz geplant werden. Zwei Verbesserungen ziehen sich als rote Fäden durch das Bauvorhaben: die Sanierung der Abschottungen und die Schaffung von kleineren Brand- und Evakuierungsabschnitten.

Eingeschränkter Bewegungsradius
Ein Spezifikum bei Justizanstalten liegt in der Planung der Fluchtwege. Sie sind in der TRVB 160 in einem Stufenplan definiert: Ist bei einem Brandereignis kein sicherer Aufenthalt in den Hafträumen möglich (Stufe 1), wird horizontal in angrenzende Brandabschnitte (Stufe 2) und vertikal in andere Geschoße (Stufe 3) evakuiert. Erst Stufe 4 schreibt die Flucht ins Freie vor – allerdings nur in gesicherte Innenhöfe. Der Fokus auf den Verbleib der Insassinnen und Insassen im Gebäude und die hohe Personendichte erfordern spezielle Maßnahmen für die Personensicherheit im Brandfall. Entscheidend ist eine kleinräumige Brandabschnittsbildung, die die Fläche des Gefahrenbereichs auf ein Minimum reduziert. In der Justizanstalt ist als weitere Maßnahme in mehreren Gangbereichen eine neue Brandrauchverdünnungsanlage vorgesehen. Durch den stündlich mehrfach stattfindenden Luftwechsel können die Gänge brandschutztechnisch mit gesicherten Fluchtbereichen gleichgesetzt werden.

Ein Haus mit vielen Ansprüchen
Die Brandschutzplanung für das Justizzentrum ist auch aus der Perspektive der Nutzungen anspruchsvoll. So befinden sich im weitläufigen Komplex auf einer Nettoraumfläche von über 100.000 m² Büros, Haftbereiche, Kranken-, Ambulanz- und Sanitärbereiche, Seminarräume, Küchen, konfessionelle Bereiche, Werkstätten und natürlich die Verhandlungssäle, in denen es besonders bei großen Verhandlungen zu höheren Personenkonzentrationen kommen kann. Die Nutzungen gehen zum Teil mit erhöhten brandschutztechnischen Anforderungen einher: etwa der neue Ambulanzbereich, der an den Hygienestandard von Krankenhäusern angepasst wird, und in dem sich auch nicht selbstrettungsfähige Personen aufhalten werden. Nicht nur die Mobilität der anwesenden Personen, sondern auch ihre Kenntnis der Räumlichkeiten sind im Brandschutz zu bedenken. Während Beschäftigte des Landesgerichts oder der Justizanstalt ortskundig sind, trifft das auf die Teilnehmer/innen der täglich rund 60 Verhandlungen meist nicht zu. Zur Erhöhung des Sicherheitsniveaus durch bauliche und anlagentechnische Verbesserungen im Gerichtstrakt führten wir daher auch Fluchtweganalysen durch.