Werner Hoyer-Weber und Michael Haugeneder · Foto: Robert Tober

Wie nachhaltig kann Brandschutz sein?

Gemeinsam mit ATP sustain, der Forschungs- und Sonderplanungsgesellschaft für nachhaltiges Bauen, beschäftigen wir uns mit der Frage, welchen ökologischen Fußabdruck Brandschutz hat. Das architektur FACHMAGAZIN hat dazu für seine aktuelle Ausgabe 05 zum Themenschwerpunkt „Kreislauffähig bauen“ Geschäftsführer Werner Hoyer-Weber und Michael Haugeneder aus der Geschäftsleitung von ATP sustain zum Interview gebeten.

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Sie haben in einer Studie untersucht, wie sich unterschiedliche Brandschutzmaßnahmen auf die CO2-Bilanz im Neubau auswirken. Mit welchem Ergebnis?
Werner Hoyer-Weber: Wir wollten wissen, welche Rolle der Brandschutz in puncto „grünes“ Bauen einnimmt und seinen ökologischen Fußabdruck bewertbar machen. Dafür haben wir für ein geplantes Bürogebäude mit einer BGF von über 10.000 m² zwei Brandschutzkonzepte erstellt: Variante 1 hat sich auf baulichen Brandschutz und kleine Brandabschnitte fokussiert, in Variante 2 gab es eine Sprinkleranlage und größere Brandabschnitte. ATP sustain hat die Auswirkungen beider Konzepte auf die roten und grauen Emissionen sowie auf den Energieverbrauch berechnet. Die Ergebnisse waren klar: Variante 2 hat in allen untersuchten Punkten besser abgeschnitten, auch bei der Recyclingfähigkeit der Baumaterialien. Im Gesamtlebenszyklus des Gebäudes waren die CO2-Emissionen um rund fünf Prozent niedriger. Es gibt also das Potenzial bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau im Brandschutz die CO2-Emissionen durch Fokus auf anlagentechnische Maßnahmen deutlich zu verringern.

Wie kann man denn im Brandschutz Einfluss auf die Ökobilanz eines Gebäudes nehmen?
Michael Haugeneder: Stellschrauben sind vor allem die masseintensiven Bauteile, die meist den größten Hebel in der Ökobilanz darstellen. Auf der anderen Seite geht es um Bauteile, die nicht sortenrein zerlegbar sind. So sind beim baulichen Brandschutz Feuerschutzplatten, Spachtelmassen oder Anstriche von ihrer Grundeigenschaft her so aufgebracht, dass sie sich auch unter Extremsituationen nicht ablösen oder trennen. Damit werden aber sogar Baustoffe wie Holz ökobilanztechnisch schlechter, weil sie nicht mehr trennbar sind. Auch Holzoberflächen, die zur brandschutztechnischen Ertüchtigung behandelt werden, sind in der Ökobilanz damit schlecht. Der anlagentechnische Brandschutz bietet in puncto Kilmaschutz den entscheidenden Vorteil, dass mineralische und auch biogene Baustoffe keine besondere Behandlung oder Verkleidung benötigen, da sie in Kombination die Brandschutzanforderungen erfüllen.


>> Das gesamte Interview und weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsstudie finden Sie hier: Interview architektur FACHMAGAZIN