Bildungscampus Nöstlinger - HOYER Brandschutz GmbH
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Bildungscampus Nöstlinger

 

Leistungsumfang

 

  • Brandschutzkonzept
  • Evakuierungskonzept
  • Fachbauaufsicht

 

Im September 2020 nahm in Wien Leopoldstadt der Bildungscampus Christine Nöstlinger seinen Betrieb auf. Als dritter Standort, der nach dem „Campus plus“-Konzept der Stadt Wien betrieben wird, bietet er altersübergreifendes Lernen von Kindergarten und Volksschule, offene Architektur und multifunktionale Zonen für die Arbeit in Kleingruppen. Eine Neue Mittel- und Musikschule, Räume für Sonderpädagogik, ein Festsaal sowie Frei- und Sportbereiche sind ebenfalls am Campus angesiedelt. Wie die vielseitige und flexible Nutzung mit der Sicherheit im Brandfall vereinbar ist, haben wir in einem Brandschutz- und Evakuierungskonzept erarbeitet. Und dabei die innovative pädagogische Vision mit Brandschutzvorgaben in Einklang gebracht, die noch auf der Bildungsarchitektur früherer Generationen basieren.

 

Der Bildungscampus Christine Nöstlinger vereint Kindergarten-, Schul-, Sonder- und Freizeitpädagogik an einem Standort und wurde von Klammer*Zeleny Architekten geplant. Die Errichtung führte ein Konsortium bestehend aus der Bauunternehmung Granit, der Siemens Gebäudemanagement & -Services und der RBI Leasing als Finanzierungspartner aus. Im dreiarmigen Baukörper „Campus Blume“ sind alle Bereiche um eine gemeinsame Mitte angeordnet. 1.875 Kindern und Jugendlichen wird darin größtmögliche Flexibilität beim Lernen in Kleingruppen sowie für Sport, Kreativität, Therapie und Ruhe geboten. „Durch das multifunktionale Konzept verschmelzen Klassen und Gemeinschaftsflächen – das Lernen findet im ganzen Gebäude statt, das zudem komplett barrierefrei ist. Diese neue Lernkultur steht in krassem Gegensatz zu den bestehenden Brandschutzvorgaben für Schulen. Diese fußen noch auf dem alten Schulbild, wo sich Lehrer und Schüler praktisch die ganze Zeit über in der Klasse aufhalten und wo der Frontalunterricht dominiert“, so Werner Hoyer-Weber. Wir haben das Projekt über fünf Jahre hinweg begleitet, das Brandschutzkonzept erarbeitet, die Evakuierung auf rund 28.000 m² Bruttogeschoßfläche geplant und die Realisierung in der Bauphase begleitet.

 

Brandabschnitte folgen der Gebäudeform

Die Basis für eine wirtschaftliche Symbiose aus Pädagogik, Architektur und Brandschutz entstand bereits in der Wettbewerbsphase. Dabei wurden mit den Architekt/innen Grundlagen wie die Fluchtwegführung, Größe der Brandabschnitte oder Positionierung der Aufzüge abgestimmt. So ergab sich ein klares Konzept: Pro Geschoß bilden die drei Gebäudearme, genannt „Blätter“, drei eigene Brandabschnitte. Nur in der Mittelzone, dem „Stamm“, stellt das zentrale Treppenhaus vom Erdgeschoß bis in den dritten Stock eine Ausnahme dar. Es wurde mit Pausen- und Verkehrsflächen, Bibliothek, Sonderunterrichtsräumen und Speisesaal zum größten Brandabschnitt mit insgesamt 1.931 m² zusammengefasst. Da dieser über der zulässigen Größe liegt, nahmen wir eine Brandmeldeanlage im Vollschutz in das Brandschutzkonzept auf, um ein gleichwertiges Schutzniveau zu erreichen: „In Bildungsstätten müssen im Normalfall nur Gänge und allgemeine Verkehrsflächen mittels Brandmeldeanlage überwacht werden. Hier am Campus, wo sich Schüler jeden Alters und auch Kinder mit Behinderungen aufhalten, bietet es sich ohnehin an sämtliche Bereiche auszustatten, damit ein Brand überall frühzeitig erkannt und gemeldet wird“, erklärt Hoyer-Weber.

 

Stille Alarmierung vermeidet Panik

Neben den automatischen Rauch- und Wärmemeldern kann über Druckknopfmelder bei Ausgängen und im Verlauf von Fluchtwegen manuell ein Alarm ausgelöst werden. Die Alarmmeldung geht während der Betriebszeiten an eine ständig besetzte Stelle oder an den Brandschutzbeauftragten des Campus. „Der Alarm ist allerdings kein Feueralarm, wie das wohl die meisten aus ihrer Schulzeit kennen. Um Panik zu vermeiden, setzt man in Schulen heute auf eine stille Alarmierung mit Blitzleuchten“, so Hoyer-Weber. Diese kommen überall da zum Einsatz, wo sich Kinder aufhalten. Während eine weiße Blitzleuchte einen Alarm im benachbarten Brandabschnitt anzeigt, steht die rote Blitzleuchte für einen Alarm im eigenen Brandabschnitt.

 

Christine Nöstlinger Bildungscampus Wien. Blitzleuchten des des stillen Alarms, Fluchtwegskennzeichnung. © Robert Tober Photography · www.toro.cc

Rote und weiße Blitzleuchten sorgen am Campusgelände für eine panikfreie Alarmierung.

 

Bedürfnisgerechte Evakuierung

Der Campus wird Schüler/innen mit unterschiedlichen Ansprüchen gerecht – dieses Ziel galt auch bei der Evakuierung. „Hier wird viel in Kleingruppen gearbeitet, die sich im ganzen Gebäude verteilen können. Unsere Planung muss diesen Lernalltag widerspiegeln“, führt Hoyer-Weber aus. Beim Evakuierungskonzept machte sich erneut die Architektur der „Campus-Blume“ bezahlt: Brennt es in einem „Blatt“, können sich Anwesende in den beiden anderen des Geschoßes in Sicherheit bringen und auf die Feuerwehr warten. Daneben gibt es stets noch zwei weitere Fluchtwege: das zentrale Treppenhaus und zwei Außentreppen pro „Blatt“. Die Aufzüge mit unabhängiger Stromversorgung können von der Feuerwehr zur Evakuierung verwendet werden. Auch mobilitätseingeschränkte Personen werden nach dem Prinzip der horizontalen Evakuierung in den nächsten sicheren Brandabschnitt gebracht. Zusätzlich stehen für sie Wartebereiche im Inneren und Rollstuhlplätze auf den Zugangsebenen der Außentreppen bereit. Betreuer/innen haben über eine Gegensprechanlage Verbindung zum Portier oder zur Feuerwehr. „Mit je drei Fluchtrichtungen und den Wartebereichen haben wir verschiedene Wege der Evakuierung geschaffen. Lehrkräfte, die ja als Evakuierungshelfer geschult sind, können den geeignetsten wählen – und etwa entscheiden, ob für autistische Kinder die Flucht in einen anderen Brandabschnitt oder ins Freie besser ist“, so Hoyer-Weber.

 

Christine Nöstlinger Bildungscampus Wien. Aussentreppe als Fluchtweg. © Robert Tober Photography · www.toro.cc

Anwesenden Personen stehen im Brandfall jeweils drei Fluchtrichtungen offen – eine davon sind die Außentreppen.

 

Wie der Gang multifunktional nutzbar wird

Dass für die Schule von heute individuelle Brandschutzlösungen gefragt sind, zeigte sich auch an einem weiteren Beispiel: den Gangbereichen. „Da Gänge als Fluchtwege dienen, müssen sie freigehalten werden und dürfen keine Brandlasten haben. Hier am Campus werden die Gänge zu Multifunktionszonen und sind Teil des Lernkonzepts. Um sie auch so nutzen zu können, mussten sie brandschutztechnisch anders definiert werden“, so Hoyer-Weber. Die Lösung: Die Gänge wurden auf ein ähnliches Schutzniveau wie bei Versammlungsstätten gehoben. Für die Möblierung der Multifunktionszonen galten damit in puncto Brandverhalten dieselben Anforderungen wie bei Sitzmöbeln von Kinos oder Theatern. Für jedes „Blatt“ wurde an drei Stellen eine automatisch gesteuerte Rauchableitung und damit Querdurchlüftung geplant, die sonst nur bei sehr großen Räumen über 1.200 m² vorgesehen wird. Diese Maßnahmen erlaubten auch zahlreiche Glasflächen, die das offene Raumgefühl weiter verstärken. „Bei diesem Projekt waren wir quasi vom Reißbrett weg involviert und die Vorteile dabei liegen klar auf der Hand. Der Brandschutz wird so wirtschaftlich wie möglich planbar und die Architektur kann so bleiben, wie im Entwurf“, zieht Hoyer-Weber zufrieden Bilanz.

 

Christine Nöstlinger Bildungscampus Wien. Multifunktionszone mit lernenden und spielenden Kindern © Robert Tober Photography · www.toro.cc

Um die Gänge als Multifunktionszonen nutzen zu können, wurden sie brandschutztechnisch auf ein ähnliches Schutzniveau wie bei Veranstaltungsstätten gehoben.

 

Datum

2016-2020, Österreich

Auftraggeber

Klammer * Zeleny Architekten

Gebäudenutzung

Schule sowie Veranstaltungs-, Sport- und Therapiebereiche

Größe

28.000 m²

Category
Bildungseinrichtungen